Ausländische Direktinvestitionen in Georgien 2018 um 35% gesunken

Ausländische Direktinvestitionen in Georgien 2018 um 35% gesunken

Den Angaben des georgischen nationalen Statistikamts „Geostat“ zufolge beliefen sich die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Georgien im Jahr 2018 auf 1,2 Milliarden Dollar, was einem Rückgang von 34,9% gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Der Finanzsektor Georgiens erhielt dabei den höchsten Betrag an FDI in Höhe von 277,9 Mio. USD. Der Transportsektor profitierte vom zweithöchsten Anteil am FDI mit 209,9 Mio. USD, gefolgt von den Sektoren der Energie (157,2 Mio. USD), der Herstellung (142,3 Mio. USD) und dem Baugewerbe (103,6 Mio. USD).

Ausländische Direktinvestitionen kamen aus verschiedenen Ländern der Welt. Aserbaidschan verblieb mit 240 Mio. USD der größte Investor, gefolgt von Großbritannien (203,7 Mio. USD), den Niederlanden (167,9 Mio. USD) und den Vereinigten Staaten (103,7 Mio. USD). Wesentliche Mengen an FDI kamen auch aus Panama (74,7 Mio. USD), Tschechien (72,3 Mio. USD), China (65,4 Mio. USD), Südkorea (63,2 Mio. USD) und Russland (60,1 Mio. USD).

In Anbetracht der Tatsache, dass die Weltbank Georgien auf dem 6. Platz unter den 190 Volkswirtschaften eingestuft hat, in denen es am einfachsten sei, Geschäfte zu führen, erscheint der Rückgang von ausländischen Direktinvestitionen in Georgien im Jahr 2018 überraschend.

Laut einer Pressemeldung von „Georgia Today“ könnten verschiedene Faktoren die vorläufigen Zahlen für 2018 beeinflusst haben. Zum Beispiel ein niedriges Bildungsniveau in Georgien, das zu einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften führe. Darüber hinaus mangele es den georgischen Arbeitskräften an Englischkenntnissen. Des Weiteren sei Georgien aufgrund mangelnder Infrastruktur, unzureichender natürlicher Ressourcen, Demokratiedefizite und illegal besetzter Gebiete für Investoren weniger attraktiv.

Dennoch laufen derzeit Projekte, die dazu beitragen sollen, dass die ausländischen Direktinvestitionen in Georgien steigen. So habe die EU kürzlich 233 Mio. EUR für den Bau des Tiefseehafens Anaklia zugesagt, der es ermöglichen werde georgische Güter zwischen Europa und Georgien freier zu transportieren und die Verkehrsanbindung für zukünftige Investoren zu verbessern.

Um ein zweistelliges Wirtschaftswachstum zu erreichen, müssen ausländische Direktinvestitionen in Georgien jährlich mindestens drei Milliarden Dollar erreichen, berichtete das Magazin „Forbes“. Die Politiker müssen sicherstellen, dass sie das Geschäftsklima in Georgien weiter verbessern und gleichzeitig für potenzielle Investoren Vorhersehbarkeit und Stabilität gewährleisten.

Der georgische Premierminister Mamuka Bakhtadze hob drei Hauptgründe für den Rückgang der Direktinvestitionen in die georgische Wirtschaft hervor: „Die Hauptgründe für den Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen sind das abgeschlossene Pipeline-Projekt TANAP und die Übertragung von Eigentumsrechten an Telekommunikationsunternehmen Mitte letzten Jahres.“ Außerdem nannte er die Rückzahlung der Schulden an nichtansässige Anleger als dritten Faktor für den Rücklauf der FDI.


Die nationale Bank Georgiens (NBG) kündigte als Reaktion auf die Nachricht über den Rückgang der FDI an, dass der Kauf von Wertpapieren georgischer Unternehmen für ausländische Investoren vereinfacht werden würde. Laut einer Meldung der Nationalbank vom 12. März können Privatunternehmen internationale Finanzinstitute Wertpapiere ab sofort über den internationalen Zentralverwahrer „Clearstream“ einsparen und auch dort bezahlen. „Tausende Kunden von Clearstream, die über Konten in Fremdwährung verfügen, können einfach ein Unterkonto in der georgischen Landeswährung „Lari“ hinzufügen und georgische Wertpapiere kaufen oder speichern. Dieses Verfahren alleine zu durchlaufen, würde den Anlegern mehr kosten und sie würden wahrscheinlich von einer Investition in Georgien absehen“, sagte die NBG.

„Clearstream“ ist ein wichtiger Akteur in der Wertpapierdienstleistungsbranche mit einer konstant hohen Bonität, welcher 2016 in Georgien eintrat und Anlegern aus verschiedenen Ländern der Welt ermöglichte, bequem und sicher am georgischen Wertpapiermarkt zu investieren.

 

 

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