Enthüllungen eines zurückgetretenen Generals erschüttern Armenien

Enthüllungen eines zurückgetretenen Generals erschüttern Armenien

Der armenische General Mowses Akopjan gab am 19. November eine Pressekonferenz, in der er die Gründe für die Niederlage Armeniens im Krieg gegen Aserbaidschan offenbarte. Ein Tag zuvor, am 18. November, trat General Akopjan vom Amt des Chefinspektors der armenischen Armee zurück.

Nachstehend sind die wichtigsten Fakten aus der Pressekonferenz von Mowses Akopjan zusammengefasst:

  • Während des Krieges waren die Informationen, die vom armenischen Verteidigungsministerium verbreitet wurden, zu 100% falsch. „Im Rahmen unserer Streitkräfte gibt es ein Informationszentrum. Eine der Aufgaben des Zentrums ist es, durch Falschmeldungen den Gegner in die Irre zu führen. Es gibt [in der Kriegsführung] folgendes Prinzip: 30% sind Falschmeldungen, der Rest ist Wahrheit. Aber unsere Informationen waren zu 100% falsch.“
  • Nikol Paschinjan ernannte den inkompetentesten General zum Leiter des Generalstabs. Dabei handelt es sich um Artak Davtjan, der später entlassen wurde, weil sein Sohn eine Hochzeitfeier mit zahlreichen Gästen während des Lockdowns veranstaltete.
  • Im April-Mai 2018 konnte Aserbaidschan in Nachitschewan bis zu 5 Kilometer an das Dorf Sangakun vordringen, Armenien verlor Militärposten neben dem Dorf Areni. Zuständig dafür war Artak Davtjan. 
  • Die Armee-Mobilisierung war nicht effizient: zum 30. September war die Mobilisierung nur zu 78% in Bergkarabach und 52% in Armenien durchgeführt.
  • Am 5. Tag des Krieges gab es bereits 1500 Deserteure. Sie alle wurden in Bergkarabach isoliert, damit sie nicht nach Armenien zurückkehren und dort Panik verbreiten.
  • Armenien kaufte die modernen russischen Militärjets SU-30-SM, konnte sie aber während des Krieges nicht einsetzen. Das lag daran, dass keine Raketen für die Militärjets gekauft wurden. Es gebe außerdem einen speziellen Erlass der russischen Regierung, der den Verkauf von diesen Raketen ins Ausland verbietet.
  • Die Luftabwehr war ineffizient, weil Armenien statt der effektiven TOR-Systeme die Luftabwehrkomplexe OSA kaufte. Keine einzige aserbaidschanische Drohne wurde während des 44-tägigen Krieges durch die OSA getroffen. 
  • Die Ehefrau von Nikol Paschinjan, Anna Hakobjan, nahm an Sitzungen des Armeestabs teil. Nachdem General Mowses Akopjan sie gebeten hat, die Sitzung zu verlassen, wurde er nach Jerewan gerufen. Dort teilte ihm Verteidigungsminister Tonojan mit, dass sich der General nicht mehr in Bergkarabach blicken lassen dürfe. Die Anordnung kam direkt von Nikol Paschinjan.
  • Russland hat Armenien alle möglichen Waffen zur Verfügung gestellt, von denen man nicht mal zu träumen gewagt hätte.
  • Während des Krieges wurden die Raketenkomplexe „Iskander“ eingesetzt.

Nach der Pressekonferenz erklärte die Sprecherin von Nikol Paschinjan, Mane Geworkjan, dass sich mit den Erklärungen von General Akopjan nun Ermittlungsbehörden befassen müssten. Der Generalstaatsanwalt Armeniens hat bereits die Informationen von der Pressekonferenz an den Sonderermittlungsdienst überreicht, damit sie geprüft und rechtlich bewertet werden.  

Der Vorsitzende der Fraktion Helles Armenien, Edmon Marukjan, erklärte, dass nach den Enthüllung des Generals Akopjan, die militärpolitische Führung Armeniens unter keinen Zuständen ihre Ämter beibehalten dürfe.

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