Weitere Details zum Berliner Mordfall bekanntgegeben

Weitere Details zum Berliner Mordfall bekanntgegeben

Weitere Einzelheiten in Bezug auf den Mord an Zelimkhan Khangoschwili (Caucasus Watch berichtete) wurden enthüllt. Die Identität und des Verdächtigen und wie dieser nach Deutschland kam bleibt unbekannt.

Die britische Website für investigativen Journalismus Bellincat führte in Zusammenarbeit mit der deutschen Zeitung Der Spiegel und dem Russian Insider eine Untersuchung durch, um die Herkunft des Verdächtigen zu ermitteln. Sie stellten fest, dass der Attentäter unter einem gültigen, nicht biometrischen russischen Pass unter dem Namen Wadim Andrejewitsch Sokolow, geboren im August 1970, über Frankreich nach Berlin reiste. Interessant ist, dass es in der umfangreichen nationalen Bürgerdatenbank Russlands keine solche Person gibt.

Dem Ermittlungsartikel zufolge beantragte der Verdächtige am 29. Juli 2019 beim französischen Konsulat in Moskau ein Expressvisum - nur elf Tage, nachdem er seinen nicht-biometrischen Pass erhalten hatte. Er beantragte ein 6-Monats-Mehrfachvisum, mit dem er uneingeschränkten Wiedereinreisezugang zu einem der 26 Länder des Schengen-Raums erhalten würde. Er gab auch an, dass sein geplantes Reisedatum der 30. Juli 2019 ist - was buchstäblich der Tag nach dem Datum der Beantragung seines Visums war. Darüber hinaus gab er an, dass er vorhabe, sich während seines Sechs-Monats-Visums für die maximal zulässige Dauer von 90 Tagen in Frankreich aufzuhalten - und plant, bis zum 25. Januar 2020 von und nach Frankreich zu reisen.

Der Verdächtige führte an, sein Wohnort sei die „Alpiyskaya Straße 37“ in Sankt Petersburg. Diese existiert jedoch nicht. Er führte auch seinen Beruf als „leitender Angestellter einer Firma“ auf, wobei der Name der Firma in den untersuchten Dokumenten nicht angegeben war. Der Verdächtige nannte den Namen eines Mittelklassehotels in Paris als Kontaktadresse. Das Ermittlungsteam stellte außerdem fest, dass eine Person mit diesem Namen und Geburtsdatum in den letzten sechs Jahren zu keinem europäischen Ziel gereist war und zuvor kein Visum für Schengen-Länder erhalten hatte.

Das Ermittlungsteam ist der Ansicht, dass es nur zwei plausible Erklärungen dafür gibt, wie Sokolov mit seiner Geisteridentität nach Frankreich gekommen ist. Entweder war er den Grenzbeamten als Undercover-Agent bekannt, und diese wurden angewiesen, ihn fortfahren zu lassen oder Sokolov war zum Zeitpunkt der Reise - am 31. Juli 2019 - noch in der russischen Passdatenbank.

Eine weitere Unregelmäßigkeit ist das körperliche Erscheinungsbild des Verdächtigen. Sokolov wird als 176 cm groß und 86 kg schwer mit drei Tattoos beschrieben: eine Krone und ein Panther am linken Oberarm und eine Schlange am rechten Unterarm. Die Tätowierungen auf seinem Körper untergraben die vorherrschende Theorie, dass er ein Bediensteter des russischen Sicherheitsdienstes ist, da der Dienst es seinen Stabsoffizieren nicht erlaubt, Körperschmuck zu tragen. Die Untersuchung vermutet, dass Sokolov ein ehemaliger Verurteilter gewesen sein könnte, der von einem der russischen Geheimdienste kooptiert wurde.

Die Untersuchung vermutet drei mögliche Quellen, die Sokolov befohlen haben könnten, Khangoschwili zu ermorden, nämlich den Russischen Föderalen Sicherheitsdienst (FSB), die Hauptdirektion des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation (GRU) oder den persönlichen Sicherheitsapparat des tschetschenischen Führers Ramsan Kadyrow. Alle drei Quellen hätten Motive gehabt, den Befehl zu erteilen. Aufgrund seiner Beteiligung am russisch-tschetschenischen Krieg, der von den russischen Behörden als „islamische Bedrohung“ eingestuft wurde, wäre Khangoschwili auf der FSB Rache-und Tötungsliste gelandet. Das Engagement von Khangoschwili im Krieg und die Unterstützung der Militanten in Dagestan um die Jahrhundertwende sowie sein Engagement im russisch-georgischen Krieg hätten ihn außerdem zu einem potentiellen Ziel einer Rache-Ermordung durch die GRU gemacht. Schließlich machten ihn sein tschetschenischer Hintergrund und die Tatsache, dass er auf der Seite Aslan Maschadows, dem ehemaligen tschetschenischen Präsidenten, der 2005 während des Tschetschenienkrieges ermordet wurde, in Kadyrows Augen zu einem Feind.

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