Umfrage: Nikol Paschinjan verliert an Beliebtheit

Umfrage: Nikol Paschinjan verliert an Beliebtheit

Bis zu den außerordentlichen Parlamentswahlen in Armenien verbleiben noch 24 Tage. Am 22. Mai wurden die Ergebnisse einer Schnellumfrage in Armenien vorgestellt. Die telefonische Befragung wurde von MPG/Gallup mit einer landesweiten Stichprobe von 800 Befragten und einer Standardabweichung von ± 3,5% durchgeführt.

Bemerkenswert sind Veränderungen in der außenpolitischen Ausrichtung der Bevölkerung. Obwohl Russland in der Vergangenheit als wichtigster militärpolitischer Verbündeter und als eine Kraft angesehen wurde, auf die man in schwierigen Zeiten zählen kann, hat sich dieses Bild jetzt dramatisch verändert. Diese Veränderung wurde vor dem Hintergrund der Bewegung der aserbaidschanischen Streitkräfte in den an Armenien angrenzenden Regionen besonders deutlich, als Russland beschloss, sich nur auf Verhandlungsinstrumente zu beschränken. Moskau lehnte Eriwans Behauptungen über die Besetzung des armenischen Territoriums ab und stimmte Bakus Interpretation der Situation als einen Territorialstreit im Grenzgebiet zu. Dementsprechend hält sich die OVKS aus diesem Streit heraus.

Auf die Frage „auf wen kann Armenien zählen und bei Schwierigkeiten militärpolitische Hilfe erwarten?“ gaben in der Befragung vom 6. und 7. Oktober 2020 noch 69% der Armenier Russland als Antwort an. Bei der Befragung vom 18. bis 21. Mai 2021 verließen sich nur noch 38% der Teilnehmer auf Russland. Im Oktober 2020 gaben 23% Frankreich als Antwort an und im Mai 2021 schon 33%.

Die Antworten auf die Frage, ob die Wähler faire Wahlen erwarten, sind bemerkenswert. Die Gesellschaft ist ungefähr in zwei Lager gespalten, und diese Situation unterscheidet sich nicht wirklich von der vor zwei Monaten. Im März erwarteten 44,5%, dass Paschinjan faire Wahlen abhalten würde, und 43,1% gaben an, dass sie unehrliche Wahlen erwarten. Weitere 12,5% äußerten ihre Positionen nicht. Im Mai gaben 45,1% der Befragten an, dass sie von Paschinjan faire Wahlen erwarten, während 50,2% von unfairen Wahlen ausgehen.

Im Mai waren 24,8% der Befragten bereit, Paschinjan zu wählen. Im Februar hatte sein Rivale Robert Kotscharian 5,6% Unterstützung, während sich die Anhängerschaft von Dashnaktsutyun auf 2,2% belief. Im Mai könnte die vereinte Kotscharjan-Dashnak-Opposition 14,3% der Stimmen erhalten. Der Rest der Parteien und Gruppen wird voraussichtlich wesentlich weniger Stimmen bekommen als Kotscharjan und Dashnaktsutyun. Der amtierenden Ministerpräsident Nikol Paschinjan liegt zwar immer noch mit Abstand in Führung, jedoch verliert er deutlich an Beliebtheit .

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